Nahwärme vom Nachbarn: Kleine Netze, großer Nutzen

Auch kleine, nachbarschaftliche Nahwärmelösungen bringen etwas für den Klimaschutz

Es muss nicht immer riesig sein: Wenn von Nahwärme die Rede ist, dann denken viele an ein großes Netz für ganze Straßenzüge oder einen kompletten Ortsteil. Doch auch kleinere Lösungen haben ihren Charme – und sie sind meist einfacher umzusetzen. Eine dieser nachbarschaftlichen Initiativen ist die Biomasse-Heizung von Matthias Schlee in Bernstein am Wald. Mitten im Frankenwald hat der Heizungsbauer im vergangenen Jahr insgesamt sechs Gebäude an sein Hackschnitzel-Heizwerk angeschlossen.

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Das Mini-Wärmenetz in Bernstein hat den ersten Winter gut überstanden. Von links: Jörg Ermert, Geschäftsführer der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberfranken, Heizungsbauer und Netzbetreiber Matthias Schlee, Anschlussnehmer Arnold Löhner und Uwe Täuber vom Kesselhersteller Windhager freuen sich über eine gelungen Premiere.

Für Arnold Löhner kam die Nahwärme im vergangenen Jahr wie gerufen. Im Keller seines Wohnhauses am Galgenberg im Schwarzenbacher Ortsteil Bernstein drohten dem ehemaligen Sparkassen-Filialleiter gleich mehrere Baustellen: Die Ölheizung war in die Jahre gekommen, und eine Sanierung der Öltanks hätte auch dringend angestanden. Als Löhner dann hörte, dass sein Nachbar plant, einige der umliegenden Gebäude mit einer gemeinsamen Heizung zusammenzuschließen, bekundete er sofort sein Interesse. Heizen mit klimafreundlichen Hackschnitzeln, weg vom Öl und keine Scherereien mehr mit dem alten Heizkessel – das klang für den Rentner nach einer guten Lösung. Und weil es sich bei dem Nachbarn um einen versierten Heizungsbauer handelte, war auch das Vertrauen von Anfang an gegeben.
Matthias Schlee, Heizungsbauer in dritter Generation, hatte zunächst nur geplant, seine ehemalige Werkstatt und die umliegenden Wohngebäude, alle im Familienbesitz, mit einer gemeinsamen Hackschnitzelheizung zu versorgen. Die 100 Meter lange Wärmeleitung zu seinem Nachbarn war aber keine große Sache. Und nun hängen seit Oktober vergangenen Jahres insgesamt sechs Liegenschaften an der Heizzentrale, in der Holzhackschnitzel und Pellets selbst im tiefsten Winter für wohlige Wärme sorgen. Der Brennstoff muss dafür nicht kilometerweit transportiert werden, denn die Hackschnitzel liefert ein benachbarter Landwirt. Viel besser könnte die Ökobilanz also gar nicht sein. Insgesamt 250-280 Schüttraummeter dürfte das Netz im Jahr benötigen, schätzt Schlee.

Für Jörg Ermert, Geschäftsführer der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberfranken in Scheßlitz, sind diese kleinen, nachbarschaftlichen Initiativen eine gute Möglichkeit, das nachwachsende Energieholz aus den oberfränkischen Wäldern direkt vor Ort zu nutzen.

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Heizungsbauer Matthias Schlee zeigt seinem Nachbarn Arnold Löhner an der Schaltzentrale des Wärmenetzes, welche Temperaturen im Pufferspeicher vorgehalten werden.

In dieselbe Kerbe schlägt auch die Energieagentur Oberfranken. Kleine Netze mit einer überschaubaren Zahl an Abnehmern seien in der Regel einfacher zu planen und schneller zu bauen als große, oft mehrere Kilometer lange Wärmenetze für ganze Ortschaften, so Pressesprecher Markus Ruckdeschel. Gerade wo solche großen Netze gar nicht zur Diskussion stünden, sei eine nachbarschaftliche Lösung ein wirksames Mittel für mehr Klimaschutz beim Heizen. Darüber hinaus, so Uwe Täuber vom Heizkessel-Hersteller Windhager, sei es in dieser Konstellation für viele Haushalte überhaupt erst möglich, mit erneuerbaren Energien zu heizen. Ein Hackschnitzelkessel zum Beispiel mache in einem kleinen Einfamilienhaus selten einen Sinn. Mit einem Anschluss an ein Nahwärmenetz sei das aber möglich, zudem profitiere man von der größeren Effizienz einer solchen Anlage und müsse sich nicht mehr um alles selber kümmern. Das stärke letztlich auch den nachbarschaftlichen Zusammenhalt.
Diesen Komfortgewinn spürt Arnold Löhner schon sehr deutlich: Der Heizkessel ist aus
seinem Keller verschwunden, der Tankraum kann für andere Zwecke genutzt werden, und die Übergabestation, die die Wärme aus dem Netz in seinem Haus verteilt, verrichtet ihren Dienst, ohne dass sich jemand groß kümmern muss.
Bislang, so Betreiber Matthias Schlee, hat in seinem kleinen Wärmenetz alles bestens
funktioniert. Die ersten Sonnenstrahlen im Februar haben sogar dafür gesorgt, dass die
Wärme vom Solarkollektor auf dem Dach seines Wohnhauses ins Netz eingespeist werden konnten. So konnte auch sein Nachbar von der Sonne profitieren – obwohl er gar keinen eigenen Kollektor besitzt.

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